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Informeller Sektor

GIZ-SWEEP-NET

Einbindung des informellen Sektors in die kommunale Abfallwirtschaft

Der informelle Sektor leistet durch seine Aktivitäten in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern einen beträchtlichen Anteil am Wirtschaftsleben. Mitglieder des informellen Sektors sammeln Wertstoffe und leisten dadurch teilweise signifikante Beiträge zur kommunalen Abfallwirtschaft. Durch die Wiedergewinnung und Weiterverwertung von Wertstoffen trägt der informelle Sektor darüber hinaus zum Ressourcenschutz bei.

Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Situation, fehlender Investitionsmöglichkeiten, schlechte Ausbildung und der geringen Bereitschaft vieler Kommunen zur Zusammenarbeit sind die Potentiale im Hinblick auf nachhaltige Beschäftigungsmöglichkeiten bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Als Folge arbeitet der informelle Sektor häufig ineffizient und unter Vernachlässigung notwendiger Arbeitssicherheit und Gesundheitsmaßnahmen und trägt somit zu weiteren Umweltbelastungen bei, wie z.B. bei der Gewinnung von Wertstoffen aus elektrischen und elektronischen Geräten. Bei der Etablierung geregelter Entsorgungsstrukturen ist die Beachtung der jeweiligen lokalen Gegebenheiten und damit auch die Einbindung des informellen Sektors erforderlich, um Akzeptanz für ein verändertes abfallwirtschaftliches System herzustellen. Die Einbindung der bestehenden Strukturen des informellen Sektors können zudem auch unter veränderten Rahmenbedingungen zur Wirtschaftlichkeit eines Sammelsystems beitragen.

Beispiel Tunesien

Der in Tunesien produzierte Abfall enthält durchschnittlich bis zu 24% wiederverwertbare Materialien. Ca. 8.000 tunesische Wertstoffsammler, die sogenannten „Barbéscha“, leben davon, diese Materialien zu sammeln und zu verkaufen. Dieser informelle Recyclingsektor in Tunesien war zu Beginn der Maßnahme nicht organisiert, es existierte kein legaler Rahmen für dessen Aktivität und die Barbéscha arbeiteten meist unter prekären Bedingungen. Trotz des großen Beitrags, den sie zum tunesischen Recyclingsektor leisten, arbeiten sie meist ohne geregelte Vertragsbeziehungen, d.h. ohne Sozial- und Krankenversicherung. Kulturell-soziale Zuschreibungen führten zu sozialer Isolierung.

Das Vorhaben „Strukturelle Einbindung des informellen Abfallsektors in die kommunale
Abfallwirtschaft in Tunesien“, das von Januar 2014 bis Juni 2105 durch die GIZ im Auftrag des BMZ durchgeführt wurde setzte sich zum Ziel, die Lebens- und Arbeitsbedingungen des informellen Sektors durch strukturelle Einbindung in die kommunale Abfallwirtschaft zu verbessern.

Folgende Annahmen lagen dem Ansatz zu Grunde: Eine bessere Selbstorganisation führt zu einer Stärkung der Verhandlungsfähigkeit und Interessenvertretung des informellen Sektors. Nachhaltige Einkommensmöglichkeiten schaffen eine finanzielle Existenzgrundlage für die informellen Müllsammler. Die Anerkennung des informellen Sektors als integraler Bestandteil der tunesischen Abfallwirtschaft trägt zu einer Effizienzsteigerung der lokalen Abfallwirtschaft bei.

Die Ergebnisse und Erfahrungen des Projektansatzes wurden gemeinsam mit der nationalen tunesischen  Abfallbehörde ANGed in den National Guidelines for Structural Integration oft he Informal Sector in Solid  Waste Management zusammengefasst und veröffentlicht.

Einen guten Eindruck vom Leben der Menschen, die im informellen Sektor in Tunesien  arbeiten vermittelt der Film Barbesh, der während des Projektes produziert wurde.

Beispiele und Ansätze zu einer erfolgreichen In-Wert-Setzung der Aktivitäten des informellen Sektors In Middle East und Nordafrika (MENA) enthält das Dokument Valuing Informal Integration: Inclusive Recycling in North Africa and Middle East, das Beispielhaft die Ansätze in den Ländern Ägypten, Marokko, den palästinensischen Gebieten und Tunesien beschreibt.